Logische Selbsthilfe bei Schmerzzuständen

Das teure Missverständnis: Chronisch & Akut

8. Oktober 2010

Mit den Begriffen chronisch und akut werden zeitliche Aspekte von Krankheitsabläufen festgelegt. Sie sind für gutachterliche Äußerungen, Rentenanträge etc. geeignet. Zur Ableitung praktischer Behandlungsvorgehen sind diese Begriffe jedoch gänzlich unbrauchbar.

Mit “Akut” werden plötzlich auftretende Erkrankungen mit kurzer Dauer von 3 Tagen bis zu 4 Wochen bezeichnet. „Akut“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “scharf, spitz“. Das Gegenteil davon ist „chronisch“ und das aus dem Griechischem stammende Wort enthält die Vokabel „chronos“, die Zeit. Als chronisch werden Krankheitszustände bezeichnet, die seit längerer Zeit bestehen. Die in diesem Zusammenhang genannten Zeiträume sind unterschiedlich. Es werden Zeiten zwischen 6 Wochen bis zu 6 Monate angegeben.

Diesen statischen Angaben stehen funktionelle Beschreibungen gegenüber. In vivo wird “akut” als Zustand beschrieben, der durch Hitze, Schwellung, Rötung und Schmerz gekennzeichnet ist. “Chronisch” wird daher von Praktikern als Gegenteil von “akut” empfunden. Akutes Geschehen bedarf nach dieser Auffassung der Kühlung und Beruhigung, während von chronischen Zuständen erwartet wird, dass sie sich unter Wärmezufuhr oder weiteren anregenden Maßnahmen bessern. Hier handelt es sich um die Sicht von Praktikern, die sich um die papierne Theorie nicht kümmern.

Prekär wird das Ganze dadurch, wenn die beiden Modelle miteinander vermischt werden.
Beispiel: Anruf eines Arztes, mit der Bitte um einen Behandlungstermin für seine Frau, die nach seinen Angaben unter starken Rückenbeschwerden litt. Ihre bisherige Behandlung bestand u.a. aus wärmenden Anwendungen. “Behandlung dann morgen um 9 Uhr” war meine Antwort. Für heute Abend, so meine Empfehlung am Telefon, versuchen Sie es einfach mal mit Eis. Antwort: “Sie hat die Schmerzen schon seit Jahren, deshalb handelt es sich um einen chronischen Zustand, bei dem Eis kontraindiziert ist!” Tatsächlich wurde durch die ständigen Wärmeanwendungen biologisch während dieser langen Zeit der akute Zustand aufrecht erhalten, mit der Folge von teuren Fehlbehandlungen ohne Ende.

Lehrbuch für Sportphysiotherapie: “Nach traumatischen Einflüssen, wie Distorsionen etc. soll während der ersten 3 Tage gekühlt und danach mit Wärme behandelt werden.” Auch bei dieser Forderung handelt es sich um eine Vermischung der theoretischen Definition mit den physiologischen Tatsachen. Man ist felsenfest davon überzeugt, dass der akute Zustand genau 3 Tage besteht und berücksichtigt individuell bedingte Abweichungen von dieser angeblichen Norm nicht. Da mit Behandlungen der Organismus in seinen Selbstheilungsbestrebungen unterstützt und nicht behindert werden soll, müssen sich die dem tatsächlichen (funktionellen) Zustand nicht angepassten Maßnahmen heilungsbehindernd auswirken. Es werden deshalb mehr therapeutische Sitzungen notwendig und eine Arbeitsunfähigkeit dauert länger an.

Noch schlimmer wirkt sich dieses Missverständnis bei Erkrankungen des sog. rheumatischen Formenkreises und bei orthopädischen Krankheitsbildern aus, denn davon sind einige Millionen Patienten betroffen. Egal wie sich die Beschwerden äußern, von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen, wird überwiegend die Empfehlung ausgesprochen, die betroffenen Gebiete grundsätzlich zu wärmen. Paradoxerweise werden zusätzlich Entzündungshemmer verordnet. Dadurch werden akute Zustände über lange Zeit erhalten und dem Körper jede Chance zur Selbstregulation genommen. Eine Vorgehensweise, die jährlich viele Milliarden Euro Kosten verursacht.

Klaus Radloff
www.klaus-radloff.com

Vorsicht Diclofenac, Ibuprofen & Co

7. Oktober 2010

Seit etwa 35 Jahren sind Voltaren ® und andere Entzündungshemmer in “aller Munde”. Medikamente mit den Wirkstoffen Diclofenac und Ibuprofen gehören seitdem zu den ärztlichen Routineverordnungen und wahrscheinlich zur meist benutzten Selbsthilfe. Wie sinnvoll diese Wirkstoffe tatsächlich sind, soll hier überlegt werden.

Nebenwirkungen wie beispielsweise Magenbeschwerden bis hin zu Blutungen und Schleimhautreizungen des Verdauungssystems werden zwar in den Beipackzetteln beschrieben, aber nicht von jedem Konsumenten empfunden. Begründung dafür ist, dass sich der Organismus an (fast) alles gewöhnt. Auf die erste Zigarette reagiert er mit Schwindel, Atemnot, Durchfall und Erbrechen, auf die der routinierte Raucher später nicht mehr reagiert. Die anfänglichen starken Alarmsignale bleiben aus, obwohl die Raucherei durch längere Wiederholung nicht gesünder geworden ist. Vergleichbar ist es offensichtlich bei Entzündungshemmern, durch sie ausgelöste organische Beschwerden werden oft nicht mehr empfunden.

Daraus ergibt sich einerseits die Gefahr, dass u.a. Magen- und Darmblutungen, vor denen im Beipack gewarnt wird, ohne symptomatische Vorerscheinungen auftreten können. Dazu kommt, dass diese Reizzustände über das spinale Nervensystem in die Rückenmuskulatur übertragen werden und so die Beschwerdebilder aufrecht erhalten oder verstärkt werden, gegen die diese Medikamente wirksam sein sollen. In der Praxis hat es sich bisher häufig gezeigt, dass allein durch Absetzung der entzüngshemmenden Medikamente, teilweise ohne das weitere Therapien durchgeführt wurden, Beschwerdefreiheit in wenigen Tagen erreicht wurde.

Klaus Radloff
www.klaus-radloff.com

Vorsicht Orthopädie: Therapie ohne Diagnose

7. Oktober 2010

Vor der Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt. Dieser Grundsatz dominiert ärztliches Handeln. Nur zur Ersten Hilfe sind Ausnahmen, z. B. zur Schmerzeindämmung vertretbar. Selbst unter Laien hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, Schmerz nicht als Ursache, sondern als Alarmsignal des Körpers auf Notsituationen und Krankheiten zu sehen. Durch wiederholte Schmerzabschaltung kann sich aber dessen Auslöser ungestört weiter entwickeln. Eindrücklich lässt sich das am Beispiel von Zahnschmerzen beobachten. Kariöse Zahnschäden, deren Schmerzen wiederholt mit Schmerzmitteln abgeschaltet werden, werden mit der Zeit größer und das Ziehen des Zahnes und dessen prothetische Versorgung immer wahrscheinlicher. Jeder seriöse Therapeut wird deshalb wiederholte Schmerzabschaltungen bei unbekannten Ursachen ablehnen.

Falsche Voraussetzungen bei orthopädischen Erkrankungen
Schmerzunterdrückungen sind bei orthopädischen Erkrankungen die Regel, von Prävention oder gar Heilung ist nicht die Rede. Erkrankungen der Wirbelsäule, wie Lumbalgien, Ischialgien, Lumbal- und Zervikalsyndromen, Abnutzungserscheinungen der Wirbelgelenke, bis hin zu Bandscheibenvorfällen, sowie Arthrosen der Körpergelenke werden nach immer gleichem Muster behandelt. Es werden Schmerzmittel, Entzündungshemmer, muskelentspannende Medikamente, durchblutungsfördernde Salben und evtl. Chiro- und Bewegungstherapie – oft wiederholt über lange Zeit - eingesetzt.

Die Ergebnisse bildgebender Untersuchungsverfahren, sind Grundlagen der Diagnosen ohne das hinterfragt wird, weshalb es zu den dokumentierten Schädigungen kommen konnte. Es wird vorausgesetzt, dass berufliche Überbeanspruchung, Haltungsfehler, Bewegungsmangel, Übergewicht, genetische Fehlanlagen etc. ursächlich dafür verantwortlich sind. Das allerdings sind Ansichten, die wissenschaftlich nicht gesichert sind.

Diese nebulösen Begründungen enthalten entweder nicht beeinflussbare Faktoren, wie u. a. genetische Fehler. Damit können im Bedarfsfall therapeutische Misserfolge begründet und die Unwissenheit der Behandler verschleiert werden. Übergewichtige sind von vornherein immer selbst schuld an ihren Beschwerden und wenn das mit dem Abnehmen nicht klappt, erst recht. Auch damit werden therapeutische Unfähigkeiten vertuscht.

Das nächste Argument ist Bewegungsmangel als Grund für orthopädische Krankheiten. Deshalb werden reihenweise Betroffene in die Fitnessstudios geschickt. Funktioniert dieser Tipp nicht, wird das mit Übertreibung des Trainings begründet und schon wieder hat der Patient, aber nicht sein unfähiger Behandler, den „Schwarzen Peter“.

Bewegungssucht ist typisch für Amerikaner, die sich abends im Sterbebett Selbstvorwürfe machen, weil sie am Morgen nicht zum Joggen auf der Straße waren. Sofern ein Tier starke schmerzen hat, verkriecht es sich in einen Winkel und bleibt bis zum Eintritt der Besserung möglichst regungslos liegen. Nur Amerikaner und deren Nachahmer gehen in Gymnastikstudios.

Es dürfte nachvollziehbar sein, dass andere als die zumeist genannten Ursachen Auslöser für orthopädische Krankheitsbilder sind. Solange die aber nicht behandelt werden, bleibt es bei der unbegründeten Schmerztherapie in der Orthopädie.

Behandlungskosten
Die Kosten für Behandlungen orthopädischer Krankheitsbilder beliefen sich in Deutschland im Jahr 2002 auf 38 Milliarden Euro oder auf 1600 Euro pro Einwohner. Summen, die sich von Jahr zu Jahr steigern, weil die dabei praktizierten Behandlungen vergleichbar mit der eingangs erwähnten, symptomatischen Zahnschmerzbehandlung sind.
Denkbare Lösungen.

Eine Begründung für diese These lässt sich aus den Erkenntnissen der segmentalen Innervation ableiten. Die Wirkung der Bindegewebsmassage ist damit begründet. Danach versorgen die aus dem Rückenmark, zwischen benachbarten Wirbeln austretenden Spinalnerven, halbgürtelförmig in ihrer jeweiligen Höhe, die Haut und die Muskulatur, sowie in der Tiefe innere Organe. Es wird in diesem Zusammenhang von einem Segment gesprochen. Sofern sich ein Organ in einem Reizzustand befindet, wirkt sich dessen Störung auf alle Anteile dieses Segments aus. Es kommt dort zur Ödembildung der Haut und zur Erhöhung der Muskelspannung.

Die von einem inneren Organ ausgelöste Steigerung der Muskelspannung im Bereich der Rückenmuskulatur bewirkt u.U. eine Fehlartikulation benachbarter Wirbelgelenke. Am deutlichsten lässt sich das bei einer Nierenkolik beobachten, bei der sich meist innerhalb von wenigen Minuten eine sichtbare Skoliose, eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule bildet. Weniger extrem als bei Koliken, wirken sich auch andere Reizerscheinungen der Niere aus. Auch hierbei kommt es, zu meist über Jahre anhaltende Fehlbewegungen und Bewegungsblockaden der Lendenwirbelsäule. Eine banale Bewegung reicht aus einen Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall auszulösen. Der von dieser Hernie betroffene Patient hat nun die Anwartschaft auf zwei Operationen: Eine beim orthopädischen Chirurgen und eine weitere, später beim Urologen. Die Krankenkassen zahlen für beide „Heilmaßnahmen“.

Da Lumbalgien aber auch Hernien der Bandscheiben orthopädische Krankheitsbilder sind, deren Ursachen in Fehlbelastungen etc. gesehen werden, kommt kaum jemand auf den Gedanken, dass es sich dabei nicht um eigenständige Krankheiten, sondern lediglich um symptomatische Auswirkungen innerer Organe handelt. Der gegenseitige Blick über die Gartenzäune ärztlicher Fachgebiete findet nicht statt.

Eingehend beschrieben wurden diese Fakten von mir mit mehr als 50 jähriger Berufserfahrung). Erkenntnisse, die in Quellschriften der alten chinesischen Medizin sinngemäß bereits vor langer Zeit beschrieben wurden.

Klaus Radloff
www.klaus-radloff.com



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